Die Familie Becker aus Libau / Kurland- Vorwort - |
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Die ältere Geschichte der Familie Becker war in einer Chronik verzeich- net, die sich bis 1945 im Nachlaß des Lorenz Friedrich Becker (+ 1853) befand. Der Nachlaß war zuletzt im Besitz von dessen Urenkel, Hermann Leonardo Becker. Da der größte Teil dieses Nachlasses, darunter auch die Chronik, bei der Flucht aus Ostpreußen verlorenging, hatte der letzte Besitzer der Chronik ihren Inhalt später nach dem Gedächtnis rekonstruiert und das seiner Tochter, Gundel Steenhoff, geb. Becker, sowie dem deutschbaltischen Genealogen Arthur Hoheisel mitgeteilt. Frau Steenhoff und Herr Hoheisel stellten dann freundlicherweise dem Verfasser diese Informationen zur Verfügung. Nach diesen Angaben soll laut Familienchronik die Familie Becker von einem im 17. Jahrhundert nach Kurland eingewanderten Pastor abstammen. >1< Hierauf deutet wahrscheinlich auch das von > Lorenz Friedrich Becker (1799-1853) geführte und in der Familie weitergeführte > Wappen hin, das unter silbernem Schildhaupt ein schwarzes Kreuz zeigt. Genauere Angaben zur Familie Becker in Kurland sind wegen fehlender oder lückenhafter Kirchenbücher jedoch erst für die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts möglich: Zwischen 1780 und 1790 gab es in Libau drei Namensträger Becker, die der Blauen Garde ( der Kaufgesellen und ledigen Kaufleute) und - nach Erwerb des Bürgerrechts - der Großen (Kaufmanns-) Gilde angehörten: 1. Johann Ferdinand Becker 2. Johann Christian Heinrich Becker 3. Johann George Heinrich Becker Die Art der Darstellung im Libauer “Bürger-Buch” >2< läßt vermuten, daß die oben genannten Personen Brüder waren. >3< Zu Johann Christian Heinrich ist dort ausdrücklich vermerkt, daß er ein Bruder von Johann George Heinrich gewesen sei. Nicht nur in Kirchenbüchern, sondern auch in anderen Libauer Quellen aus jener Zeit sind Angehörige der Kaufmannsfamilie Becker verzeichnet: So ist z. B. im “Haus- und Contracten-Buch der Stadt Liebau 1735-1820” >4< dokumentiert, daß der Kaufgeselle Johann Christian Heinrich Becker 1786 ein Wohnhaus (das heute in Libau als historische Sehenswürdigkeit gilt, siehe
Wahrscheinlich bedingt durch den Niedergang des Handels während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten viele Kaufmannsfamilien aus Libau ab und zogen in andere Teile des Baltikums oder Rußlands. >9< Das war auch bei der Familie Becker der Fall. Einige Mitglieder dieser Familie wurden Beamte. So erhielt zum Beispiel Lorenz Friedrich Becker als Titularrat den russischen Wladimir-Orden und in diesem Zusammenhang auch den Adel. Durch die politischen Umwälzungen seit 1914 mußte die Familie Becker mit vielen anderen Deutschbalten das Baltikum verlassen. Heute leben die Nachkommen dieser Familie in Deutschland. Für die Familie Becker trifft zu, was ein Zeitungsartikel so zum Ausdruck brachte: “Historie sei nichts als die Summe individueller Schicksale, hat Arthur Schopenhauer
geschrieben. Ergänzt man zu den individuellen die familiären Schicksale, dann gilt Schopenhauers Einsicht bis heute: Nirgendwo wird Vergangenheit, werden Kontinuitäten und Veränderungen auch über längere Zeit hinweg so erkennbar wie in Familiengeschichten”. >10< ------------------------- >1< Eine Verwandtschaft zur Familie des Pastors Bernhard Gottfried Becker, der aus Ostpreußen
kam und seit 1707 in Kurland Pastor war, wird zwar vermutet, ließ sich aber wegen der fehlenden oder lückenhaften Kirchenbücher bisher nicht nachweisen.Hierzu: Seeberg-Elverfeldt, Die kurländische Literatenfamilie Becker. In: Baltische Ahnen- und Stammtafeln, 20 Jg., Köln 1976, Anm. 35, S. 48;
>2< Zum “Bürgerbuch” siehe Arthur Hoheisel, Der genealogische Nachlaß des deutschbaltischen Familienforschers Ernst Fedor Spehr. In: Ostdeutsche Familienkunde 22 (1974), S. 86 ff. >3< Die drei Namensträger Becker sind im “Bürgerbuch” - wie dort bei Geschwistern üblich - durch “a”, “b” und “c” gekennzeichnet. >4< Es befindet sich im Archiv des Museums von Liepaja (Libau) / Lettland. >5< Die Höhe des Kaufpreises (1500 ReichstalerAlb.) deutet darauf hin, daß dieser Kaufgeselle >6< Es befindet sich im Lettischen Historischen Staatsarchiv, Riga. . >7< Auffallend ist die alte Schreibweise des Ortsnamens (vgl. Kopie ). Es ist zweifelhaft, ob der >8< Sie befinden sich im Lettischen Historischen Staatsarchiv, Riga. >9< Siehe hierzu Herbert Becker: Zur Genealogie deutsch-baltischer Kaufmannsfamilien in >10< Sven F. Kellerhoff, “Eine bürgerliche Dynastie”. In: “Die Welt” vom 18.8.2004. |