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 Die Familie Becker aus Libau / Kurland

Vorwort -

Familienbuch Becker aus Libau / Kurland ( Liepaja / Lettland )

< Das Familienbuch
des Julius Becker von 1893
(zur Geschichte der Familie Becker 1799 - 1913)

Die ältere Geschichte der Familie Becker war in einer Chronik verzeich- net, die sich bis 1945 im Nachlaß des Lorenz Friedrich Becker (+ 1853) befand. Der Nachlaß war zuletzt  im Besitz von dessen Urenkel, Hermann Leonardo Becker. Da der größte Teil dieses Nachlasses, darunter auch die Chronik, bei der Flucht aus Ostpreußen verlorenging, hatte der letzte Besitzer der Chronik ihren Inhalt später nach dem Gedächtnis rekonstruiert und das seiner Tochter, Gundel Steenhoff, geb. Becker, sowie dem deutschbaltischen Genealogen Arthur Hoheisel mitgeteilt. Frau Steenhoff und Herr Hoheisel stellten dann freundlicherweise dem Verfasser diese Informationen zur Verfügung.

Nach diesen Angaben soll laut Familienchronik die Familie Becker von einem im 17. Jahrhundert nach Kurland eingewanderten Pastor abstammen. >1< Hierauf deutet wahrscheinlich auch das von > Lorenz Friedrich Becker (1799-1853) geführte und in der Familie weitergeführte  > Wappen hin, das unter silbernem Schildhaupt ein schwarzes Kreuz zeigt. Genauere Angaben zur Familie Becker in Kurland sind wegen fehlender oder lückenhafter Kirchenbücher jedoch erst für die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts möglich:

Zwischen 1780 und 1790 gab es in Libau drei Namensträger Becker, die der Blauen Garde ( der Kaufgesellen und ledigen Kaufleute) und - nach Erwerb des Bürgerrechts - der Großen (Kaufmanns-) Gilde angehörten:

    1. Johann Ferdinand Becker

    2. Johann Christian Heinrich Becker

    3. Johann George Heinrich Becker

Die Art der Darstellung im Libauer “Bürger-Buch” >2< läßt vermuten, daß die oben genannten Personen Brüder waren. >3< Zu Johann Christian Heinrich ist dort ausdrücklich vermerkt, daß er ein Bruder von Johann George Heinrich gewesen sei.

Nicht nur in Kirchenbüchern, sondern auch in anderen Libauer Quellen aus jener Zeit sind Angehörige der Kaufmannsfamilie Becker verzeichnet: So ist z. B. im “Haus- und Contracten-Buch der Stadt Liebau 1735-1820” >4< dokumentiert, daß der Kaufgeselle Johann Christian Heinrich Becker 1786 ein Wohnhaus (das heute in Libau als historische Sehenswürdigkeit gilt, siehe
 > Erläuterung mit Bild) einschließlich Brauhaus und Koppel kaufte. >5<  Sein Bruder, Johann George Heinrich Becker, ist seit 1788 in Libau eindeutig nachweisbar, denn in diesem Jahr trug er sich in das “Cassa-Buch” der Libauer Blauen Garde >6< ein. Als Herkunftsort gab er “Liebau” an. >7<  Johann George Heinrich wurde 1799, nachdem er 1790 sich als Kaufmann etabliert und das Bürgerrecht der Großen Gilde erworben hatte, zum Stadtältesten von Libau gewählt. Daher enthalten die “Protokollbücher des Stadtältestenstandes der Großen Gilde” zwischen 1799 und 1815 >8< seine Unterschriften, mit denen er die protokollierten Beschlüsse der Stadtältesten bestätigte.

Wahrscheinlich bedingt durch den Niedergang des Handels während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten viele Kaufmannsfamilien aus Libau ab und zogen in andere Teile des Baltikums oder Rußlands. >9< Das war auch bei der Familie Becker der Fall. Einige Mitglieder dieser Familie wurden Beamte. So erhielt zum Beispiel  Lorenz Friedrich Becker als Titularrat den russischen Wladimir-Orden und in diesem Zusammenhang auch den Adel. Durch die politischen Umwälzungen seit 1914 mußte die Familie Becker mit vielen anderen Deutschbalten das Baltikum verlassen. Heute leben die Nachkommen dieser Familie in Deutschland.

Für die Familie Becker trifft zu, was ein Zeitungsartikel so zum Ausdruck brachte: “Historie sei nichts als die Summe individueller Schicksale, hat Arthur Schopenhauer geschrieben. Ergänzt man zu den individuellen die familiären Schicksale, dann gilt Schopenhauers Einsicht bis heute: Nirgendwo wird Vergangenheit, werden Kontinuitäten und Veränderungen auch über längere Zeit hinweg so erkennbar wie in Familiengeschichten”. >10<
                                                                                                                     Herbert Becker.

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>1<  Eine Verwandtschaft zur Familie des Pastors Bernhard Gottfried Becker, der aus Ostpreußen         kam und seit 1707 in Kurland Pastor war, wird zwar vermutet, ließ sich aber wegen der                 fehlenden oder lückenhaften Kirchenbücher bisher nicht nachweisen.Hierzu:                                     Seeberg-Elverfeldt, Die kurländische Literatenfamilie Becker. In: Baltische Ahnen- und                    Stammtafeln, 20 Jg., Köln 1976, Anm. 35, S. 48;
         Einen verwandtschaftlichen Zusammenhang mit dieser kurländischen Pastorenfamilie Becker           vermutete auch der deutschbaltische Genealoge Arthur Hoheisel (Schreiben vom 11.8.1988            im Archiv des Verfassers).

>2<  Zum “Bürgerbuch” siehe Arthur Hoheisel, Der genealogische Nachlaß des deutschbaltischen          Familienforschers Ernst Fedor Spehr. In: Ostdeutsche Familienkunde 22 (1974), S. 86 ff.

>3<  Die drei Namensträger Becker sind im “Bürgerbuch” - wie dort bei Geschwistern üblich -              durch “a”, “b” und “c” gekennzeichnet.

>4<  Es befindet sich im Archiv des Museums von Liepaja (Libau) / Lettland.

>5<  Die Höhe des Kaufpreises (1500 ReichstalerAlb.) deutet darauf hin, daß dieser Kaufgeselle
         bereits über erhebliches Kapital verfügte.       

>6<  Es befindet sich im Lettischen Historischen Staatsarchiv, Riga.             .                

>7<  Auffallend ist die alte Schreibweise des Ortsnamens (vgl. Kopie ). Es ist zweifelhaft, ob der
         Herkunftsort auch der Geburtsort ist, denn lt. Kirchenbuch ist Johann George Heinrich B.
         am 3.8.1821 im Alter von 59 Jahren und 4 Monaten gestorben. Im Taufregister für 1762 ist
         er jedoch nicht verzeichnet. 

>8<  Sie befinden sich im Lettischen Historischen Staatsarchiv, Riga. 

>9<  Siehe hierzu Herbert Becker: Zur Genealogie deutsch-baltischer Kaufmannsfamilien in
         Kurland (17-19. Jahrhundert). In: Herold-Jahrbuch, N.F. 5 (2000), S. 9-16.

>10< Sven F. Kellerhoff, “Eine bürgerliche Dynastie”. In: “Die Welt” vom 18.8.2004.       

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